Alles bio oder was?

Das Bio-Siegel macht auch vor dem Wein nicht Halt. Zeugt es in anderen Bereichen von natürlichen Produktionsbedingungen und damit quasi als Gütesiegel in Zeichen Nachhaltigkeit und Qualität, setzt es sich auch bei der Weinherstellung mehr und mehr durch. Sind Bioweine besser? Welchen Einfluss hat das Biosiegel auf die Qualität des Weins, auf dessen Geschmack?

Grundsätzlich sagt das Biosiegel mehr über die Herstellung des Weines als über seinen Geschmack aus. Wann ein Wein als Biowein verkauft werden kann, unterliegt strengen Gesetzen – wie in anderen Bereichen auch. Dabei regelt das Gesetz in Bezug auf den Wein sowohl den Anbau der Traubenals auch deren Behandlung im Keller. Grundsätzlich kann man trotzdem davon ausgehen, dass Bio-Wein nicht gesünder ist oder besser schmeckt als anderer Wein – aber auch nicht schlechter.

Ökologischer Weinbau
Grosser Feind der Weinproduktion sind Schädlinge, Unkraut und Krankheiten, die zu bekämpfen sind. Im traditionellen Weinanbau werden dazu meist Pestiziden, Herbizide und Insektizide eingesetzt. Dabei handelt es sich allerdings nicht nur um Wundermittel, sie bringen auch mit sich, dass die Eigenabwehr der Trauben bei häufigem Einsatz mehr und mehr geschwächt wird. Das führte auch beim traditionellen Anbau dazu, sie nicht mehr präventiv, sondern nur noch im Schadensfall einzusetzen.

Ökologischer Weinbau (nach EU-Norm) verzichtet auf mineralische und chemisch-synthetische Pilzvernichtungsmittel sowie auf Insektizide und Herbizide. Des Weitern sind genmanipulierte Reben verboten. In vielen Fällen kann man mit natürlichen Mitteln sowie entsprechenden Anbaubedingungen Gefährdungen vermeiden, allerdings gibt es Erkrankungen, gegen die noch kein natürliches Mittel gewachsen ist, zum Beispiel bei Falschem Mehltau oder Graufäule. Dadurch entsteht dem ökologischen Weinbauern ein Risiko auf Ertragsverluste, das er einkalkulieren muss. Entsprechende Planung bei den Anbaubedingungen kann helfen, das Risiko zu minimieren, es aber nicht eliminieren.

Obwohl die Biowein-Richtlinien vor allem zum Schutz der natürlichen Umwelt erstellt wurden, gelten auch im Keller strenge Vorschriften. Es dürfen weder Gelatinenoch Rinderblut, Metaweinsäure oder andere umstrittene Mittel eingesetzt werden. Die Herstellung von Biowein soll möglichst natürlich erfolgen, was den Einsatz unnatürlicher Massnahmen wie Umkehrosmose (Wasserentzug beim Most) oder Kryoextraktion (Weinkonzentrat aus künstlich gefrorenen Trauben) ausschliesst. Auch in Bezug auf die Temperatur der  Maischegibt es Bestimmungen beim Biowein: Sie darf nur auf maximal 40°C erwärmt werden (oft sind es 60°C und mehr).

Biodynamischer Weinbau
Eine Sonderform des ökologischen Weinbaus (die Grenzen sind verschwimmend) ist der biodynamische Weinbau. Mit Hilfe verschiedener Präparate soll die gesunde Bodenfauna erhalten und damit der Weinanbau ökologischen Kriterien gerecht werden. Diese Theorie beruft sich mehrheitlich auf Rudolf Steiner, welcher die Ursache für mögliche Schädigungen und Krankheiten im Ungleichgewicht der Natur sah. Beim biodynamischen Weinbau werden verschiedene Präparate eingesetzt, welche dem Boden zugesetzt oder auf die Früchte gespritzt werden. Wissenschaftlich nachweisbar sind positive Effekte dieser Präparate nicht, die Theorie dahinter ist nicht, dass die Erträge zunehmen im Schnitt (sie sollen in guten Jahren etwas tiefer, in schlechten etwas höher sein als beim traditionellen Anbau), sondern dass nachhaltigere Produktionsbedingungen geschaffen würden.

Vorreiter in Österreich
Als einer der Vorreiter der neuen Weinbauphilosophie darf sicher Josef Umathum in Österreich gelten. Er wird teilweise als „Pionier der neuen Rotweinszene“ oder „Philosoph unter Österreichs Spitzenwinzern“ bezeichnet. Sein Anliegen ist es, qualitätsvollen, einheimischen Wein zu produzieren, der den spezifischen Boden, das regionale Klima und die entsprechende Behandlung braucht, um zum Qualitätswein zu werden. Umathum hat Erfolg mit seiner Art des Weinbaus, 1990 wird er zum Falstaff Winzerdes Jahres gekürt, 1995 erhält er die Burgundy Style Trophyin London (bester Rotwein weltwein in der Burgunder-Stilistik).

2006 stellt Umathum auf biodynamische Bewirtschaftung um. Seit 2007 ist er Mitglied beim Bioverband Demeter, was nicht nur strengste Umweltregeln und Arbeitsbedingungen bedeutet, sondern vor allem eine eigene (Lebens-)Philosophie. Ökologisch, rhythmisch, strategisch, langfristig, vorausschauend, alle Produktions- und Lebensbereiche einschließend, mit einem Wort: ganzheitlich. Bei der biodynamischen Methode wendet Umathum nicht nur biologische Mittel zur Schädlingsbekämpfung an, er versucht auch, dem Rhythmus der Natur zu folgen, was zwar im Weinbau generell nicht ausbleibt, hier aber mit philosophischem Bewusstsein gepflegt wird. Kuhscheisse wird zum Dünger, verrottete Wurzeln lassen neue Triebe entstehen, neues Leben entsteht aus dem vorher vergangenen.

Der Kreislauf des Lebens wird quasi zelebriert, Wein wird sozusagen zu einem Gesamtkunstwerk. Die Umwelt ist in allen Bereichen in Umathums Leben und Schaffen Thema, sowohl bei der Energiegewinnung wie auch beim Weinbau setzt er auf Mittel, die der Natur zuträglich sind. Umathums Botschaft: „Es geht um ein ökologisches Gesamtkonzept, um eine gesunde Einstellung zur Umwelt“.

2012 ist er Gewinner der internationalen Decanter Sweet Wine Trophyin London (zum zweiten Mal). Der Erfolg gibt seiner Philosophie also recht: Auch mit nachhaltigen, ganzheitlichen und naturverträglichen Mitteln lässt sich Spitzenwein herstellen. Was Umathum übrigens ebenfalls von anderen Weinbauern abhebt, ist die Art seiner Flaschenverschlüsse: Umathum verwendet als einziger unter den Top-Rotweinproduzenten Glasverschlüsse.

Fazit
Als Fazit kann wohl gesagt werden, dass mit biologischen Mitteln nicht zwingend besserer Wein gewonnen wird, allerdings ist er auch nicht schlechter oder gar minderwertig. Die Umstellung wird sicher nicht ganz leicht werden, die Erträge können zurück gehen, die Qualität des Weines hängt aber – nachweislich – nicht von der Art des Anbaus ab. Was sicher für die biologische Anbauweise spricht, ist die Naturverträglichkeit, müssen wir in dieser Natur noch eine Weile leben und sind auf sie angewiesen – auch in der weiteren Weinproduktion.

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